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Pflegebedürftig – was nun? 98 Wer beurteilt das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit? Wenn Sie Leistungen der Pflegeversicherung beantragen, prüft die Pflegekasse zunächst, ob und in welchem Umfang Sie als pflegebedürftig eingestuft werden können. Die Pflegekasse lässt sich vom medizinsichen Dienst der Krankenversicherung (MDK), von anderen unabhängigen Gutachtern oder bei knappschaftlich Versicherten vom Sozialmedizinischen Dienst (SMD) ein Gutachten erstellen. Hierzu kommt nach vorheriger Anmeldung ein Gutachter (Arzt oder Pflegefachkraft) zu Ihnen nach Hause. Nach bundeseinheitlichen Richtlinien ermittelt der Gutachter den Hilfebedarf für die persönliche Grundpflege (Körperpflege, Ernährung und Mobilität) sowie für die hauswirtschaftliche Versorgung. Für jede einzelne Tätigkeit gibt es Orientierungswerte zur Pflegezeitbemessung. Der ermittelte individuelle Hilfebedarf ist entscheidend für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung einer Pflegestufe. Liegt Pflegebedürftigkeit vor, wird – ja nach Zeitbedarf bei der Pflege – in eine von 4 Pflegestufen eingruppiert: • Pflegestufe I (erheblich pflegebedürftig) • Pflegestufe II ( schwerpflegebedürftig) • Pflegestufe III (schwerstpflegebedürftig) • Pflegestufe III + (Härtefall) Darüber hinaus gibt es die „Pflegestufe 0“, beispielsweise für Personen mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen , deren Bedarf an Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung nicht das Ausmaß der Pflegestufe I erreicht. Im Regelfall erhalten Sie nach Antragstellung einer Pflegeeinstufung innerhalb von 25 Arbeitstagen einen Bescheid von ihrer Pflegekasse. Sie haben die Möglichkeit, gegen die Entscheidung der Pflegekasse über die Einstufung einen Widerspruch einzulegen. Wenn Sie nicht als pflegebedürftig eingestuft werden, weil Pflegezeiten nicht erreicht werden oder überwiegend hauswirtschaftliche Untestützung benötigt wird, werden keine Leistungen der Pflegekasse gezahlt. Sind Sie finanziell nicht in der Lage, dennoch benötigte Hilfe selbst zu bezahlen, kann beim Sozialamt des Landkreis Aurich in Norden „Hilfe zur häuslichen Pflege“ beantragt werden. Wichtig! Bei Verschlechterung des Gesundheitszustandes kann jederzeit bei der Pflegekasse ein Antrag auf eine neue Begutachtung und damit auf Höherstufung gestellt werden.


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